Natur und Wandern

Der Süntel und seine Wanderwege

Jochen, von Suentelwege.de schreibt über seine liebsten Wanderungen:

Wenn ich mir wünschen könnte, welche Anforderungen mein Lieblingswanderweg haben sollte, wären dies folgende Dinge:

  • Nich sehr weit weg von meinem Heimatort,
  • viel Wald, Waldränder und Wiesen, Berge, Täler, Felsen, Laubwald mit wenig Nadelbäumen,
  • naturnaher Wald, keine Stangenforste,
  • Aussichtspunkte, schöne Ausblicke, Bäche, Pfade statt breite Wege,
  • Artenvielfalt,
  • sportliche Steigungen,
  • wenig Leute,
  • Einsamkeit, Waldbaden, Geschichtsträchtig, mythisch.

Ich bin seit einigen Jahren fast jedes Wochenende unterwegs und gehe mir bekannte Wanderwege oder probiere neue aus. Dabei versuche ich, möglichst einen Umkreis von 50 km um meinen Heimatort Garbsen nicht zu überschreiten.

Ein Gastarktikel von Jochen
Heute berichtet Jochen über seine Lieblingswanderung im nahen Süntel. Er ist ein leidenschaftlicher Wanderer und „sammelt“ Wanderwege. Einige davon hat er auf suentelwege.de veröffentlicht.

Am liebsten ist er im Hochgebirge, z.B. in den Pyrenäen, auf Wanderschaft. Er findet aber auch in Deutschland immer wieder sehens- und erlebenswerte Fleckchen Erde.

Neben dem Wandern ist er oftmals mit dem Fahrrad unterwegs oder neuerdings mit dem im Bau befindlichen Camper. Außerdem geht er gerne auf Entdeckungstour unter die Erde.

P.S. die Fotos stammen auch von ihm.

Hoch hinaus

Der Weg zum Hohenstein im Süntel

Mein Lieblingswanderweg im Süntel ist seit einigen Jahren gleich geblieben. Er erfüllt die meisten oben genannten Punkte ziemlich gut.

Lediglich mit der Einsamkeit ist es leider in den letzten 2 Jahren deutlich schlechter geworden. So habe ich im Oktober 2019 ungefähr 50 Personen unterwegs getroffen. Daher meine Empfehlung an diejenigen, die es auch gerne ruhig haben: Geht früh morgens oder spät abends, nicht am Wochenende, Feiertagen und Ferien.

Wenn wir am großen, aber fast nie vollen Wanderparkplatz Försterlaube in Richtung geschottertem Hauptweg (hinter der Schranke) starten, kommen wir gleich in einen ganz tollen Mischwald, der einen einschließt und ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Man startet also gleich mit einem intensiven Waldbad. Es geht bergab, man kann nach oben in die alten Baumkronen schauen und den Alltag vergessen.

Burckhardts Ruh

Dann kommt man an einer Linkskurve zu einem ersten grandiosen Blickpunkt: es ist die sog. „Burckhardts Ruh“, an welcher ein großer Holzrahmen steht, welcher einen animiert, diesen als optischen Bilderrahmen zu verwenden.

Es ist ein fantastischer Blick aus dem Wald heraus auf gegenüberliegende andere nahe und entfernte bewaldete Hänge (z.B. der Rotestein z.T. mit Felsen) des Süntel. Und im Vordergrund befindet sich eine Kuhweide im Tal, welche sich harmonisch an die Hänge anschmiegt. Das ganze Bild lädt zum Verweilen, Schauen und Genießen ein.

Der Blutbach im Süntel

Gegenüber der Kuhwiese, kurz bevor die Hänge zum Hohenstein aufsteigen, befindet sich -versteckt unter einem Erlenauwald- der Blutbach, der seinen Namen von einer Schlacht auf dem Dachtelfeld der Sachsen gegen die Franken unter Karl dem Großen hat, bei der sich der Bach vom Blut der Gefallenen rot gefärbt haben soll. Jetzt hören wir den Bach friedvoll im Hintergrund rauschen, aber wir werden ihn gleich noch überqueren.

Der weitere, landschaftlich und botanisch sehr abwechslungsreiche Weg läuft parallel zur Wiese und zum Blutbach und trifft in einer Wegkehre auf die Baxmannbaude, welche vor Corona an Wochenenden geöffnet war und Getränke für durstige Wanderer ausschenkte.

Direkt hinter der Baxmannbaude, quasi in der Mitte der Wegkehre überquert man den Blutbach. Hier findet man eine Hinweistafel mit der Sage über den Baxmann und linker Seite im Bach eine kreisförmige, gespaltene Skulptur, welche Erwachsene zum Interpretieren, Kinder zum von Stein zu Stein hüpfen anregt.

Jetzt wird es steiler und sportlich

Die Wegkehre folgt dann parallel zum Blutbach in Richtung Pappmühle.
Diesem asphaltierten Weg folgen wir nicht, sondern wir nehmen den aufsteigenden Pfad, welcher ungefähr rechtwinklig zum Bach verläuft.

Nun geht es eine ganze Zeit zum Teil steil bergauf, was gut für die Kondition ist, man darf auch zwischendurch einmal eine Verschnaufpause einlegen.

Der Pfad ist an den steileren Abschnitten mit Treppenstufen versehen, man kann diese aber fast überall meiden. Wir kommen durch einen sehr schönen Buchenwald mit hohen Bäumen und schönem Unterholz. Wenn die Sonne scheint, gibt es häufig sehr schöne Lichtspiele und Strahleneffekte.

Im Frühjahr gibt es einige ausgedehnte Stellen mit duftendem Bärlauch. Wir überqueren zweimal den geschotterten Forstweg, der sich in Serpentinen hinaufwindet. Wenn wir zum 3. Mal auf den Forstweg treffen, biegen wir links ab und folgen dem Weg wenige hundert Meter, bis rechter Hand der steilste Abschnitt auf uns wartet mit fast durchgehender Steintreppe und uns zum Endspurt einlädt.

Auch dieses steilste Stück schaffen wir in ca. 5 Minuten und landen oben auf einem bewaldeten Plateau, dessen hinteres Ende offen ist. Wir haben den höchsten Punkt der Wanderung erreicht.

Das Ziel, die Hohensteinklippen

Wir gehen in Richtung der Lichtung. Es ist jedoch keine Lichtung sondern ein Absatz im Gelände. Hier fallen die Hohensteinklippen ca. 40 – 60 Meter senkrecht ab und der Ausblick ist überwältigend, wenn wir am ungesicherten Rand der Klippen stehen. Bitte hier allergrößte Vorsicht, nicht zu dicht an die Absturzkante gehen (Hier hat es in den letzten Jahren mehrere Todesfälle gegeben).

Trittsichere Wanderer können hier im Bereich der Felskante einige schöne Plätze und verwunschene Schluchten und Abgründe erkunden.

Der frei zugänglich Hauptfelsen gibt den Blick frei in Richtung Süden auf das Wesertal und die angrenzenden bewaldeten Berg- und Hügelketten des Süntel. In etwa im Südosten sieht man die Kühltürme des Kraftwerks in Grohnde an der Weser.

Dreht man sich nach rechts, also nach Westen, sieht man die benachbarten Felsen der Hohensteinformation. Der auffälligste (aber leider von hier oben nicht sichtbare) ist der sog. Hirschsprung, um den sich eine Sage mit einem weißen Hirsch rankt, welcher hier vom Felsen gesprungen sein soll.

Die Bezeichnung der Felsen ist in diesem Bereich nicht ganz eindeutig, da verschiedene Karten und Quellen die Namen z.T. anders wiedergegeben.

Der Hohenstein ist ein vorchristliches Heiligtum der hier lebenden Stämme gewesen und es soll hier in der Nähe eine nur den Priestern zugängliche Höhle gegeben haben, welche in späterer Zeit von christliche Missionaren zerstört worden sein soll.

Ob da was dran ist, finden vielleicht die Höhlenforscher heraus, welche die Riesenberghöhle und die Schillathöhe entdeckt haben, von denen letztgenannte eine touristisch erschlossene Schauhöhle im benachbarten Ort Langenfeld ist.

Ein ruhiges Plätzchen

Wenn jetzt nicht viel los ist, können wir uns ein ruhiges Plätzchen am Felsrand suchen und den Ausblick und die Ruhe genießen und vielleicht auch die Kraft des Ortes spüren, der von der einmaligen Natur und der Geschichtsträchtigkeit ausgeht.
Morgennebel und Abenddämmerung sind in jedem Fall schöne Zeitpunkte zum Verweilen, aber auch im Hochsommer kann man im Halbschatten abschalten, den Ort wirken lassen, oder auch in inspirierender Atmosphäre ein Buch lesen z.B. über das geheime Leben der Bäume.

Nach unserer Pause (der Österreicher würde sagen, nach unserem Ausrasten), gehen wird parallel zur Felskante den Kammweg in Richtung Osten, mit schönen Ausblicken nach Süden. Nach ca. 400m sehen wir rechts etwas versteckt einen einzeln stehenden Felsen auf welchen eine Steintreppe führt und oben ein Geländer besitzt. Auch hier kann man den herrlichen Ausblick genießen oder einfach ein wenig ausruhen oder picknicken.
Rechter Seite von der Treppe zum Grüner Altar kann man noch ein paar schöne überhängende Felsformationen von unten bewundern.

Der Rückweg

Bei dem weiteren Weg gibt es 2 Varianten; entweder man geht rechts vom grünen Altar in der Felsensenke abwärts und folgt einem ziemlich steil abwärts gehenden Pfad, der zudem auch ziemlich rutschig ist.  Also nur etwas für sehr trittsichere und schwindelfreie Leute mit festem Schuhwerk.

Die zweite Variante erreichen wir, indem wir das kurze Stück zum Hauptweg zurückgehen, ca. 100m weiter nach Osten gehen und dann nach rechts einen ausgeschilderten Pfad („Naturwald“), dem sog. Klippenweg folgen. Auch dieser Weg kann mitunter rutschig sein und erfordert ein Grundmaß an Trittsichertheit, denn es geht jetzt über Stock und Stein.

Nach ca. 300m kommt von rechts oben die 1. Variante in Serpentinen an.

Mythischer Wald

Wir folgen nun weiter dem gemeinsamen Hauptpfad und kommen in ein Waldgebiet, welches nach meinem Empfinden mythisch ist: links geht es kräftig bergab, rechts geht es steil bergauf und das Ende dieses Hanges wird von den Felstürmen gekrönt, auf welchem wir vorhin Rast gemacht haben.

Das Ganze ist in einen relativ lichtdichten Buchenwald eingefasst, der das in einem gewissen Zwielicht erscheinen lässt. Man könnte erwarten, hier einem Druiden zu begegnen.

In jedem Fall bilden der hängige Wald links und die hohen Klippen auf der rechten Seite einen sehr eigenen Reiz, dem man gerne verfällt. In dieser norddeutschen Region gibt es meines Wissens nichts vergleichbares, wo man die Klippen von oben und unten bestaunen kann.

Die Felsen von unten

Wer Freeclimber ist, hat hier auch die Möglichkeit, seinen Sport ausgiebig in den Felswänden auszuüben.

Folgen wir dem Weg weiter, gibt es immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Felswände rechterhand. Am beeindruckendsten von unten erscheint der Hirschsprung, der von unten tatsächlich aussieht wie eine gewaltige Sprungschanze.

Leider ist das mythische Gebiet nach ein paar hundert Metern vorbei und wir gelangen auf den serpentinenförmigen Forstweg von vorhin. Da wir genau in einer Serpentine rauskommen, folgen wir dem Weg rechts nacht unten (nicht rechts nach oben).

Nach ca. 300m treffen wir auf den steilen Pfad, den wir vorhin von der Baxmannbaude raufgekommen sind. Diesem folgen wir bis zur Brücke über den Blutbach.

Drei Möglichkeiten zum Weitergehen

Variante 1: Mein Lieblingsweg geht den selben Weg zurück, den wir gekommen sind, da dieser Weg an der Wiese einfach unheimlich schön ist und in der anderen Richtung ganz andere Perspektiven bietet.

Variante 2: Es geht an der Baxmannbaude nicht links sondern geradeaus in den Wald, nach ca. 500m links ab zum ausgeschilderten Parkplatz. Dieser Wald ist leider nicht so schön wie der andere, weshalb ich ihn nicht so gerne gehe.

Variante 3: Diese Variante ist für die, die noch Zeit haben und etwas anderes sehen wollen. Hier folgen wir der Asphaltstraße vor der Bachüberquerung nach links und folgen dem mäandernden Blutbach in Fließrichtung auf dessen linker Seite.

Reizvolle Landschaften

Nach ca. 500m landschaftlich sehr reizvoller Auenlandschaft folgt eine gut sichtbare Abzweigung nach rechts über den Blutbach und dann bergauf in Richtung Parkplatz.

Hier kommen wir durch einen ziemlich dichten Wald, wo relativ viele junge Süntelbuchen stehen. (Bitte unterwegs nicht links abbiegen, sondern auf dem Hauptweg bis zum Parkplatz bleiben). Von der Abzweigung sind es noch gut 1 km bis zum Parkplatz, wovon das erste Stück mäßig bergan geht, der Rest relativ flach auf dem Bergkamm. Wenn die Bäume nicht belaubt sind kann man Blicke links ins weite Land erhaschen und rechts manchmal auf die Hohensteinfelsen.

Wenn mir gemütlich die Variante 1 gegangen sind, sind wir ohne Pausen und Varianten nach 1.5 Stunden wieder am Parkplatz

Meine Meinung

Wenn ich zurück am Parkplatz bin, und die Variante 1 gegangen bin, sage ich „das war wieder schööön!“ Ich hoffe, es geht Euch genauso.